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Gemeinsam wachsen – Bericht eines erfolgreichen WCW

Mehr als 60 Menschen aus Deutschland und Europa trafen sich am Wochenende in der c-base in Berlin zum 10. Wireless Community Weekend, der wichtigsten Zusammenkunft deutschsprachiger Freifunk Gruppen. Schönes Wetter, eine entspannte Atmosphäre und interessante Vorträge sorgten für ein tolles Wochenende mit vielen produktiven Ergebnissen und lebhaften Diskussionen, wie das Feedback auf Twitter zum WCW zeigt.

In diesem Jahr konnten viele neue Gesichter aus den in jüngster Vergangenheit entstandenen Communities begrüßt werden. Neben neuen Gruppen z.B. aus Magdeburg, Paderborn, Lüneburg waren Aktivist_innen aus dem gesamten Bundesgebiet dabei. Es brachten sich natürlich auch die „üblichen Vertreter“ aus Berlin, Leipzig oder Weimar sowie Entwickler von openWRT und OLSR in die Veranstaltung ein. Wir bedanken uns herzlich an dieser Stelle bei unseren Sponsoren, allen Helfern und den Membern der c-base für die Gastfreundschaft und Unterstützung.

Im Fokus des WCW 2014 stand das Thema Dezentralität und Zusammenarbeit:

  • Wie können wir die Zusammenarbeit der Communities untereinander verbessern, Resourcen gemeinsam nutzen und dabei die Dezentralität von Freifunk aufrecht erhalten? Wie können neue oder kleinere Communities von den Erfahrungen der größeren, älteren Communities profitieren? Die Podiumsdiskussion zum Thema Organisationsstrukturen zeigte die Meinungsvielfalt und die Wichtigkeit der Dezentralität, aber unterstrich auch den Wunsch die bestehende Kollaboration weiter zu vertiefen.
  • Welche Strategie wollen wir bei der Nutzung von IPv6-Adressen verfolgen? Das Thema ist komplex und bietet viele, teils konträre Alternativen zur Nutzung. Die Communities in Berlin, Lübeck und Weimar wurden als Piloten aus dem neuen IPv6 Adressblock versorgt und können nun verschiedene Ansätze testen und Erfahrungen mit anderen Gruppen teilen.
  • Ein weiterer Vortrag stellte die neuesten Entwicklungen zur Freifunk API vor. Ein Projekt des Google Summer of Code unterstützt uns hier bei der Suche und Aufbereitung der Daten.
  • Es wurden Anforderungen und technische Lösungen zum Teilen von Freifunk Vorlagen aller Art sowie Material für die Öffentlichkeitsarbeit besprochen.
  • Technische Klippen bei der Nutzung kabelgebundener und kabelloser Strecken in Meshnetzwerken sowie Lösungsansätze zeigte uns ein weiterer Vortrag auf.
  • Verschiedene Möglichkeiten, Dienste und Speicherplatz dezentral anzubieten und gemeinsam zu nutzen konnten wir in einem Workshop sehen.
  • Friendica als eine offene und dezentrale Alternative zu Facebook wurde als interner und externer Dienst im Freifunk eingerichtet.
  • Last not least: Wie ist der juristische Stand? Was haben wir erreicht, wie bekommen wir Rechtssicherheit und was hat es mit der Feststellungsklage auf sich.

Informationen zu den Vorträgen sind im Wiki zu finden.
Darüber hinaus wurde an Firmware, Webinterfaces und Artikeln gebastelt, Dienste eingerichtet, gepodcastet, geplaudert und vor allem ordentlich gegrillt.

Wir wünschen allen Freifunker_innen viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung der neu
gewonnenen Ideen und freuen uns auf ein Wiedersehen auf den nächsten Treffen der Freifunk Community:

Ein Versprechen für digitale Bürgerrechte und Netzneutralität

wepromise_teaserNie zuvor stand die EU vor so vielen Herausforderungen, von Themen wie dem Schutz der Netzneutralität und der Privatssphäre, der Urheberrechtsreform sowie der Überwachung aller europäischen Bürgerinnen und Bürger durch Staaten und Unternehmen.

WePromise.eu ist eine Initiative von EDRi, einem Zusammenschluss von über 36 Bürgerrechtsorganisationen aus ganz Europa in Kooperation mit dem Aktivismuskollektiv GoVeto – die den Austausch zwischen den Wählerinnen und Wählern und deren Repräsentanten in Brüssel in dem Bereich digitale Bürgerrechte beleben wollen. Das Projekt will bei den Parlamentarierinnen und Parlamentariern das Bewusstsein dafür stärken, wie zentral das Europäische Parlament inzwischen für die digitalen Grundrechte in der EU geworden ist. Der Schutz der Netzneutralität und die Sicherung von freien und offenen IT-Infrastrukturen sind auch Ziele von freifunk.net. Darüber hinaus möchte die Kampagne die Wählenden in Europa ansprechen und verdeutlichen, warum es wichtig ist an der kommenden Europawahl teilzunehmen und so aktiv dazu beizutragen, dass digitale Rechte in der nächsten Legislaturperiode gestärkt werden.Deshalb unterstützen wir offiziell die Initiative WePromise.eu.

Wir finden, die EU muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Netzneutralität wirklich zu schützen. Dazu gehören unter anderem das Verbot jeglicher Diskrimination von Diensten und die gesetzliche Verankerung von Netzneutralität. Die Europäische Union sollte zivilgesellschaftliche Initiativen (wie z.B. freifunk.net) unterstützen, den Aufbau von freien und dezentralen IT-Infrastrukturen weiter entwickeln und damit einen echten Beitrag zur Wahrung der Netzneutralität leisten. Das betrifft die Unterstützung von Experimenten rund um die Vergemeinschaftung von bestehenden IT-Infrastrukturen und den Aufbau komplett neuer Strukturen.

Wenn auch ihr eure digitalen Grundrechte schützen wollt, könnt ihr auf wepromise.eu/de die Petition unterzeichnen und damit digitale Bürgerrechte in Europa stärken

Neues Setup verstärkt Berliner Freifunk-Netz

freifunk_kreuzberg

Foto unter CC BY-NC-ND 3.0 von Just (aka Boris Niehaus)

Im Rahmen des Projekts PUBLIC WIFI wird Freifunk von der Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) mit 30.000 EUR gefördert, um den Berlin Backbone (BBB) weiter auszubauen. Die mabb unterstützt damit gezielt einen nichtkommerziellen Ansatz, „der als Ergänzung zu bereits bestehenden kommerziellen Technologien weiterentwickelt werden soll“.

Die mabb fördert den Förderverein Freie Netzwerke e.V., mit dem Ziel „zusätzliche drahtlose Kommunikationsmöglichkeiten durch leistungsfähige breitbandige Freifunknetze unter besonderer Berücksichtigung audio-visueller Medieninhalte“ zu erproben. In diesem Zusammenhang soll ein Bezirke übergreifendes Funknetz (BBB) weiterentwickelt werden, über das Informationen, digitale Dienste und Daten ausgetauscht werden können. Die Standorte, die bis zu 5 km voneinander entfernt sind, bilden einerseits mit dem BBB eine eigenständige Infratruktur, andererseits wird das Gebiet rund um die Standorte mit Freifunk versorgt. Anwohner_innen und Besucher_innen können sich ohne Registrierung oder Passwort einfach mit dem Freifunk-WLAN verbinden und im Internet surfen oder Dienste im Freifunk-Netz nutzen. Zudem kann jede_r in der Nachbarschaft einen eigenen Freifunk-Router aufstellen um so das Freifunk-Netzwerk weiter zu vergrößern.

An rund 20 öffentlichen Standorten wie zum Beispiel Kirchen, Bezirksämtern und Hochschulen wurde viel Überzeugungsarbeit geleistet, um freie und offene Zugangspunkte installieren zu können. Der Förderverein freie Netzwerke e.V. hat mit den Standorteigentümern Verträge abgeschlossen, die den Betrieb der Funknetzwerk-Zugangspunkte ermöglichen. Darin ist nicht nur der Zugang zum Dach sondern auch die Bereitstellung von Strom geregelt. Bei den Elektro-Installationen werden selbstverständlich Brand- und Blitzschutzbestimmungen berücksichtigt.

Das Ganze wurde und wird in regelmässigen Treffen der Aktivistinnen und Aktivisten mittwochs in der c-base geplant. Die Dokumentation findet sich hier: http://wiki.freifunk.net/Berlin:Standorte:Bezirksamt_Kreuzberg und die ausserordentlich schöne Bilderstrecke von Just findet ihr unter: http://fotos.1just.de/freifunk/index.html. Schön gemacht, das alles!