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Time: 2006-05-25 12:49:57
Note: /freifunk/wiki/KurzeGeschichteDesDatenfunks/edit

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<p>Bereits in der Frühphase der Funktechnologie, vor der Nutzung des Radios
 als Unterhaltungsmedium, wurden Daten" übertragen, wenn man den Morsecode,
 der ein Binärcode ist, als solche gelten lässt. Die drahtlose Technologie
 ermöglichte es bereits in den 1910er Jahren, kurze Nachrichten und
 Börsenkurse von Kostenstationen aus an Schiffe zu versenden, die für ihre
 Passagiere "drahtlose Zeitungen" zusammenstellten. Aber so richtig begann die
 Geschichte des Datenfunks im engeren Sinn erst Anfang der siebziger Jahre.
 Zumindest laut einigen Autoren (Tanenbaum, Perkins) stand die Entwicklung des
 Datenfunks in einer engen Verbindung sowohl zur Entwicklung des Internets als
 auch des Ethernets.</p>

 <p>Im Jahr 1971 wurden Funk- und Netzwerktechnologien im Rahmen des
 Forschungsprojekts ALOHANET unter der Leitung von Norman Abramson an der
 Universität von Hawaii erstmals zusammen eingesetzt. Die Universität von
 Hawaii war auf sieben verschiedene Standorte auf vier Inseln verteilt.
 ALOHANET ermöglichte es den Computern in den Außenstellen, mit dem
 Zentralcomputer in Oahu zu kommunizieren. Das Netz war sternförmig aufgebaut,
 die Außenstellen konnten miteinander nur über den Zentralcomputer Kontakt
 aufnehmen. Ungefähr zur selben Zeit arbeitete ein junger Student namens Bob
 Metcalfe an seinem Doktortitel. Im Rahmen seiner Studien begeisterte er sich
 für die Arbeit von Abramson, und zwar so sehr, dass er nach seinem
 Studienabschluss einen Sommer auf Hawaii verbrachte, bevor er im
 Forschungszentrum Xerox PARC (Palo Alto Research Center) zu arbeiten begann.
 Die Forscher dort hatten bereits an einer Erfindung zu arbeiten begonnen, die
 später als Personal Computer (PC) bekannt werden sollte. Doch die PCs im
 Xerox PARC waren voneinander isoliert. Aufbauend auf seinem Wissen über
 Abramsons Arbeit begann Metcalfe zusammen mit seinem Kollegen David Boggs an
 einem lokalen Netzwerk zu arbeiten (Local Area Network = LAN). Dieses
 Netzwerk wurde 1976 erstmals implementiert und auf den Namen Ethernet
 getauft. In der Frühzeit des Radiozeitalters hatte man geglaubt, dass
 elektromagnetische Wellen ein Medium in der Luft für ihre Ausbreitung
 benötigen, das "Äther" genannt wurde. Diese Ansicht wurde zwar schon 1887 bei
 Experimenten widerlegt, die zeigten, dass sich die Wellen auch in einem
 Vakuum ausbreiten können, doch die Vorstellung eines Äthers hält sich
 hartnäckig in der Alltagssprache. 1978 entwickelten die Firmen Xerox, DEC und
 Intel gemeinsam einen Ethernet-Standard mit übertragungsraten von 10
 Mbps.</p>

 <p>Xerox kann den zweifelhaften Ruhm für sich in Anspruch nehmen, in seinen
 Labors bahnbrechende Entwicklungsarbeit geleistet, doch deren kommerzielle
 Ausschlachtung dann anderen überlassen zu haben. 1979 verließ Metcalfe Xerox,
 weil es sich für seine Erfindung über die Standardisierung hinaus wenig
 interessierte, und gründete die Firma 3Com. 1980 begann eine Arbeitsgruppe
 der IEEE mit der Entwicklung eines herstellerunabhängigen Standards für LANs,
 was 1983 in die Verabschiedung des Ethernet-Standards 802.3 mündete. Ungefähr
 zur selben Zeit begann 3Com Ethernet-Adapter zu verkaufen, mit denen IBM-PCs
 an ein lokales Netz angeschlossen werden konnten. Ethernet ist heute die
 verbreitetste Technologie für LANs und diente auch als Grundlage für die
 Entwicklung eines Standards für Wireless Local Area Networks (WLAN).</p>

 <h2>Internet und Packet Radio</h2>

 <p>In den Jahren 1968/69 hatten Forscher im Rahmen eines von der ARPA
 (Advanced Research Projects Agency) gefärderten Projekts den Prototyp eines
 Computernetzwerks auf der Basis der paketvermittelten Kommunikation
 entwickelt. Im Herbst 1969 gelang es erstmals, vier Großrechner miteinander
 zu verbinden. Die ARPA erkannte das Potenzial dieser Technologie für die
 Bedürfnisse der Armee. Die Fahrzeuge der Armee in einer Kampfsituation haben
 die Anforderung, miteinander und mit der Kommandozentrale in Kontakt zu
 bleiben, obwohl sich ihre eigene Position ständig ändert und auf Grund der
 Geländetopologie Verbindungen vorübergehend ausfallen können.
 Paketvermittelte Kommunikation in einer mobilen, drahtlosen Umgebung erschien
 als geeignetste Lösung. Die ARPA initiierte 1972 Forschungsarbeiten zur
 Entwicklung eines Packet Radio Network (PRNet). Die Grundidee für das PRNet
 der ARPA wurde in verschiedenen Umgebungen implementiert, in terrestrischen
 Sendestationen und solchen aus der Luft, für Amateurfunk, Breitband,
 Schmalband und für Satelliten. Das Grundkonzept des PRNet sah vor, dass sich
 verschiedene Nutzer eine Frequenz in einem Sendenetz teilen. Theoretische
 Studien ergaben, dass es besser ist, einen breiten Kanal zu haben, der
 dynamisch geteilt wird, anstatt die Kommunikation in viele Kanäle
 aufzuteilen. Dieses dynamische Teilen eines Teils des Spektrums erforderte
 es, Spread-Spectrum-Technologie zu verwenden.</p>

 <p>Spread Spectrum geht auf Forschungen der österreichischen Schauspielerin
 Hedie Lamarr und ihres Ehemannes George Antheuil zurück. Ausgangspunkt ihrer
 Idee war, eine Methode zu finden, wie es zu verhindern sei, dass die
 funkgesteuerten Torpedos der US-Navy durch deutsche Störsender vom Ziel
 abgebracht wurden. Ihre Idee war, das Steuersignal nicht auf einer festen
 Frequenz, sondern in einer Folge zufällig erscheinender verschiedener
 Frequenzen zu senden. Wenn der Empfänger die Abfolge der Spränge von Frequenz
 zu Frequenz kennt, kann dieser das richtige Signal empfangen. Mithilfe von
 Forschern am MIT wurde die Idee weiterentwickelt und 1942 ein Patent
 angemeldet, doch das Verteidigungsministerium wollte vorerst nichts davon
 wissen. Erst viele Jahre später, 1962, wurde Spread Spectrum erstmals
 eingesetzt und bald zur Basis einer Reihe von Übertragungstechnologien.
 Spread Spectrum nutzt vorhandene Bandbreite effektiver, ist weniger anfällig
 fär Störungen durch Interferenzen und abhörsicherer. Auf der Basis
 computergesteuerter Funkgeräte, die im Direct-
 Sequence-Spread-Spectrum-Verfahren senden und empfangen, entwickelte die ARPA
 bereits 1972 Netzwerke mit variablen Übertragungsraten zwischen 100 und 400
 Kbps. Zugleich laufende Forschungen über paketvermittelte
 Satellitenkommunikation führten zur Erkenntnis, dass diese verschiedenen
 Netze, ARPANet, PRNet und SatNet, miteinander verbunden sein sollten.</p>

 <p>Eine berühmte Technik-Demonstration verband einen fahrenden Lastwagen in
 Kalifornien über das PRNet mit dem ARPANet, welches die Botschaften an die
 Ostküste sandte, von wo aus sie per Satellit an das University College in
 London verschickt wurden. Ein im Lastwagen in Kalifornien sitzender Forscher
 sollte über diese Verbindung über verschiedene Netzwerke hinweg einen
 Computer in London nutzen können. Das Experiment führte zu der Erkenntnis,
 dass die existierenden Protokolle des ARPANet nicht dafür geeignet waren,
 verschiedene Netze miteinander zu verbinden. Die Forschungen im Bereich der
 Protokolle wurden intensiviert, was zur Entwicklung des TCP/IP-Protokolls
 führte.</p>

 <p>TCP/IP wurde mit der Absicht entwickelt, die Kommunikation "zwischen
 Netzwerken" (engl. "internetworks") zu ermöglichen. Unabhängig vom physischen
 Medium und der Topologie des jeweiligen Netzwerks sollte TCP/IP den
 Datenaustausch zwischen den Netzwerken ermöglichen. Die ARPA beauftragte die
 Firma Bolt Beranek and Newman (BBN) und die Universität von Kalifornien in
 Berkeley damit, TCP/IP in Unix zu integrieren. Dieser Schritt begünstigte das
 Durchsetzungsvermögen sowohl des Betriebssystems Unix als auch des
 Internetprotokolls. Amerikanische Universitäten hatten gerade damit begonnen,
 ihre Großrechner mit LANs zu verbinden, doch es fehlte ihnen an
 Netzwerksoftware. Nach der erfolgreichen Implementierung von TCP/IP in die
 Berkeley-Version des Unix-Betriebssystems (BSD Berkeley System Distribution)
 begannen viele Universitäten, BSD zu verwenden und es zur Verbindung ihrer
 LANs einzusetzen. 1983 hatte sich TCP/IP als wichtigstes Protokoll im ARPANet
 durchgesetzt. Im schnell wachsenden Netz der Netze wurde immer häufiger vom
 Internetwork gesprochen, bis die Bezeichnung Internet schließlich im
 allgemeinen Sprachgebrauch hängen blieb. Da die Funknetztechnologie parallel
 mit der TCP/IP-Protokollfamilie entwickelt wurde, wird das PRNet auch als das
 erste Netzwerk mit "Internetbewusstsein" bezeichnet (Perkins, 2001).</p>

 <p>Diese ersten Funknetze in den siebziger Jahren beruhten auf schwerer
 militärischer Hardware mit hohem Energiebedarf. Ein Folgeprogramm zur
 Entwicklung von Survivable Radio Networks (SURAN Überlebensfühige
 Funknetzwerke) konzentrierte sich auf Low Cost Packet Radio (LPR). Ein
 Mikroprozessor der (damals) modernsten Generation, ein Intel 8086, wurde zur
 Ansteuerung des Radios benutzt. Von da an entwickelte die militärische
 Forschung Konzepte weiter, die heute zu drahtlosem Internet im Schlachtfeld
 ausgereift sind. Ein wichtiger Beitrag aus dieser Richtung ist die
 Entwicklung dynamischer Routing-Protokolle. Die militärische Forschungsarbeit
 über mobile Ad-hoc-Netze (1) mündete in eine Forschungsgruppe im Rahmen der
 IETF mit der Bezeichnung Mobile Ad Hoc Networking Group MANET (2).</p>

 <h2>Amateurfunker und Packet Radio</h2>

 <p>Die wahren Helden des Datenfunks sind jedoch die Amateurfunker. Schon seit
 den sechziger Jahren gab es angeblich Experimente mit Datenfunk. (3) In den
 späten siebziger Jahren begannen erste Versuche der Hobbyfunker mit der
 Übertragung von Datenpaketen per Funk. 1978 führte der Montreal Amateur Radio
 Club Versuche mit Packet Radio auf Amateurfunk-Frequenzbändern durch. 1980
 wurde der erste Terminal Node Controller (TNC) von Doug Lockhart in Vancouver
 entwickelt. Die Funktionsweise von TNCs ist mit der eines Telefonmodems
 vergleichbar, sie übersetzen die digitalen Informationen des Computers in
 eine Form, die von Funkgeräten moduliert werden kann. Tucson Amateur Packet
 Radio (TAPR) entwickelte 1982 den TNC-1 und 1984-85 den TNC-2. Die
 Amateurfunker begannen Packet Bulletin Board Systems zu entwickeln,
 Mailboxen, die über Funk miteinander kommunizieren. Die populären Hobbys Funk
 und Computer fanden so zueinander und die Hobbyfunker schufen ab Mitte der
 achtziger Jahre ein weltweites Kommunikationsnetz per Funk und Satellit. In
 Deutschland schrieb Flori Radlherr aus München 1985 eine Software namens
 Digicom 64, die auf Commodore-64-Computern lief und diesen die
 Funkkommunikation ermöglichte, ohne einen teuren TNC anschaffen zu müssen.
 Die Amateurfunkverbände der USA und Kanadas sponserten in den achtziger
 Jahren die Computer Networking Conference, weil sie Interesse an einem Forum
 für die Entwicklung großräumiger Funknetze Wireless Wide Area Networks
 hatten, lange bevor die Industrie auf diese Möglichkeiten aufmerksam
 wurde.</p>

 <h2>Wavelan 802.11</h2>

 <p>Im Jahr 1985 gab die Federal Communications Commission das
 ISM-Frequenzband zur allgemeinen Nutzung frei. Die Öffnung des ISM-Bandes zur
 lizenzfreien Nutzung ermöglichte es der Industrie, funkbasierte
 LAN-Komponenten zu entwickeln. Da es aber noch keinen Standard gab,
 entwickelten die Hersteller proprietäre Systeme, die miteinander nicht
 kompatibel waren. Eine Arbeitsgruppe des IEEE begann Ende der achtziger Jahre
 mit der Entwicklung eines Standards, der diesen Mangel beheben sollte. 1997
 wurde der erste FunkLAN-Standard 802.11 herausgegeben.</p>

 <p><br /></p>

 <h3>Quellen</h3>

 <p>(1) Homepage Charles Perkins, http://www.iprg.nokia.com/~charliep/<br />
 (2) MANET, http://protean.itd.nrl.navy.mil/manet/manet_home.html<br />
 (3) Die Behauptung, dass es Amateurdatenfunk schon in den sechziger Jahren
 gab, wird im unten zitierten Artikel aufgestellt, konnte aber nirgends sonst
 verifiziert werden: "Why Packet Radio?",
 http://www.tapr.org/tapr/html/Fpktprm1.html</p>

 <p><br /></p>

 <h2>Siehe Auch</h2>

 <p>- [WLAN] und [WPAN]<br />
 - Standard [WLAN - 802.11]<br />
 - [Essays und Erfahrungsberichte] zum Thema freie Bürgernetze.<br />
 - [Freie, offene Funknetze im deutschsprachigen Raum]<br />
 - [Fotos aus der Stephanstrasse in Moabit]<br />
 <br /></p>







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