Der Aufbau und Betrieb von Community-Netzen stellt gewisse Anforderungen an die verwendete Technologie. Diese soll so einfach und preiswert wie möglich sein. Menschen mit geringen technischen Grundwissen sollen in der Lage sein, aktiv am Aufbau und dem Betrieb mitzuwirken. Die lokale Gemeinschaft soll möglichst wenig organisatorischen Aufwand betreiben müssen.
Nachfolgender Text ist im wesentlichen eine Übersetzung des von Tomas Krag und Sebastian Buettrich verfassten Textes "Wireless Mesh Networking" (erschienen auf OREILLY am 22.01.2004). Er macht deutlich, warum es sich lohnt, einen genaueren Blick auf die Entwicklung des mesh networking zu werfen.
Juergen Neumann - 30.03.2004
Anforderungen an Wireless Mesh Networking
Immer mehr Projekte beschäftigen sich damit, wie man Communitys in
strukturschwachen Regionen in die Lage versetzen kann, eine eigene
nachhaltige und selbstverwaltete Infrastruktur für Sprach- und
Datenkommnikation (lokal und über das Internet) aufzubauen und zu
betreiben.
Eine der wesentlichen Anforderungen an diese Netzwerke ist, dass ihre
Netzwerkinfrastruktur möglichst dezentral organisiert ist, damit sie
weniger fehleranfällig ist und die Abhängigkeit von einer zentralen
Verwaltung vermieden wird. Ausserdem muss die verwendete Technik billig
und einfach genug sein, damit sie von den Menschen vor Ort selbst
installiert, gewartet und erweitert werden kann.
Man ist also auf kostengünstige Consumer-Hardware angewiesen und
konzentriert sich auf Technologien, die gerade dabei sind, sich zum
Mainstream zu entwicken. Die WirelessLAN-Technologie bietet eine
vielversprechende Basis für diese Anforderungen. Und auch der Einsatz
von Voice-over-IP ist in diesem Zusammenhang leicht
nachvollziehbar.
Es gibt zwar noch keine Erfahrungen im grossflächigen Einstatz von
mesh-networking, doch in zahlreichen Labors wird daran entwickelt und
erste Ergebnisse haben gezeigt, dass es sich hierbei um eine
vielversprechende Technologie handelt, bei der es lohnt, die
Entwicklung weiter voran zu treiben.
Einige Gründe, das Thema genauer zu durchleuchten
Preis: Zwar ist WLAN-Equipment allgemein recht preiswert,
doch die Accesspoints zählen immer zu den teuereren Geräten.
Die Tatsache , dass jeder Knoten im mesh-network
gleichzeitig Client und Repeater ist, bedeutet, dass
man sich zumindest einige Accesspoints sparen und damit das
Gesamtbudget reduzieren kann.
Einfachheit: Ein Gerät das den 802.11b/g-Standard verwendet und
auf dem mesh Software installiert ist, kann extrem einfach in ein
vorhandenes Netzwerk eingebunden werden. Da das gesamte Routing
automatisch konfiguriert wird, reicht es aus, das Gerät einfach
einzuschalten (vorausgesetzt es gibt eine Lösung für die Eindeutigkeit
der Verwendeten IP-Adresse). Als Antenne kann alles verwendet werden,
was den Kontakt zu einem oder mehreren anderen
nahegelegenen Verbindungspunkten gewährleistet.
Organisatorische und finanzielle Aspekte: Die dezentrale Natur
von mesh networks passt hervoragend zu einem dezentralen
Eigentümer-Modell, in dem jeder Teilnehmer seine eigene Hardware
besitzt und wartet. Dies steigert die finanzielle Machbarkeit
erheblich und vereinfacht die organisatorischen Anforderungen an die
Gemeinschaft.
Netzwerkstabilität: Die Spezifika der mesh Topologie und
von ad-hoc routing versprechen eine höhere
Stabilität vor dem Hintergrund sich verändernder Umstände und dem
Ausfall oder Wegfall einzelner Knotenpunkte, wie dies sicher in einem
organischen und teilweise auch experimentellen Umfeld der Fall sein
wird.
Stromverbrauch: Die substanziellen Knotenpunkte eines mesh
networks, mit Ausnahme derer, die einen Uplink ins Internet zur
Verfügung stellen, können mit extrem geringen Stromverbrauch
auskommen. Das bedeutet, dass sie als extrem autonome Systeme
betrachtet werden können, die wahlweise mit Windkraft, Sonnenenergie
oder Wasserkraft betrieben werden, wo keine andere Energiequelle zur
Verfügung steht.
Integration: mesh Hardware ist typischerweise klein, lautlos,
und lässt sich leicht in ein wasserfestes Gehäuse verpacken. Das
bedeutet, sie kann leicht ins Freie oder in Häusern integriert
werden.
Praxistauglichkeit: Die Einsatzorte von WLAN sind in der Realität
weder Kreise, noch Sterne oder Linien. In komplizierten Umgebungen,
egal ob in einer Stadt oder auf dem Land, wo nicht jeder Teilnehmer
einen oder mehrere zentrale Punkte sehen kann, ist die Chance jedoch
hoch, einige benachbarte Knotenpunkte erreichen zu können.
Viele Gründe sprechen also dafür, die Praxistauglichkeit der
verschiedenen mesh-Protokolle und Implementierungen genauer zu
untersuchen.
Link zum original Text von Tomas Krag und Sebastian Buettrich:
http://www.oreillynet.com/pub/a/wireless/2004/01/22/wirelessmesh.html