Grundlagen: Drahtlose Netzwerke, Teil 1 - ... statt Ganzheitsanspruch HiperLAN
Das europäisch initiierte Pendant zu IEEE802.11 hat die ETSI unter dem Namen HiperLAN/2 standardisiert. HiperLAN/2 läuft unter dem Arbeitsnamen Wireless-ATM (Asynchronous Transfer Mode) und das macht klar, dass diese Technologie einen weitaus weiter gefassten Anspruch verfolgt, als WLAN á la IEEE802.11, das als drahtloses Pendant zum Ethernet angesehen werden darf.
Denn ATM ist das Standard-Protokoll der meisten europäischen Carrier und bietet nicht nur ein ausgefeiltes Bandbreitenmanagement, sondern ist inhärent echtzeitfähig (bietet also Quality of Service) und weist integrierte Schnittstellen für Billing-Systeme auf. Der Nachteil dieser Komplexität - die Produktentwicklung dauert lange.
HiperLAN/2 arbeitet wie IEEE802.11a im 5-GHz-Band und enthält - anders als WLAN - bereits Schnittstellen zu G3 (UMTS) und IEEE1394 (dem von weiten Teilen der Unterhaltungselektronikindustrie favorisierten Standard für Multimedia-Home-Networking).
HiperLAN gliedert sich fünf voneinander unabhängige Standards, die den gesamtheitlichen Anspruch dieser Technologie unterstreichen:
- HiperLAN/1 (im Markt gefloppt),
- HiperLAN/2 (noch keine Marktreife),
- HiperACCESS (in der Planungsphase) und
- HiperLINK (noch in der Planungsphase),
- HiperMAN* (noch in der Planungsphase).
*HiperMAN, High Performance Radio Metropolitan Area Networks, repräsentiert ein ortsgebundenes, drahtloses Zugangsnetzwerk, das mit Frequenzen zwischen 2 und 11 GHz arbeitet, und als Verbindung zwischen HiperACCESS und Hiper-LAN2 dient.
Während mit HiperLAN/2 eine attraktive Technologie für die drahtlose Daten- und Sprachübermittlung im Nahbereich bereit steht, stellt HiperACCESS eine WLL-Technologie dar (Wireless Local Loop), die die "letzte Meile" drahtlos mit 25 MBit/s Transferrate und 5 km Reichweite im 42-GHz-Band überbrücken will. HiperLINK ist hingegen als Bindeglied zwischen HiperLAN/2 und HiperACCESS vorgesehen.
HiperMAN, das High Performance Radio Metropolitan Area Network, repräsentiert ein ortsgebundenes, drahtloses Zugangsnetzwerk, das mit Frequenzen zwischen 2 und 11 GHz arbeitet, und ebenfalls als Verbindung zwischen HiperACCESS und HiperLAN/2 dient.
HiperLAN/2 sollte bereits im Jahr 2000 von der ETSI ratifiziert worden sein, doch gut Ding wollte weilen: Während die Core-Spezifikation im Sommer 2002 fertig war, ist die Vervollständigung des Standards erst 2003 zu erwarten. Das erklärt zumindest teilweise, warum HiperLAN/2 noch immer keinerlei Marktrelevanz aufweist.
Doch trotz des starken Drucks seitens IEEE802.11-WLAN wird HiperLAN/2 noch immer eine prächtige Zukunft vorhergesagt: Firmen wie Thomson, Philips, Panasonic und SONY setzen auf HiperLAN/2 und arbeiten an ersten Produkten. Weder Panasonic noch SONY sich ließen von der drückenden Präsenz von IEEE802.11-Geräten beeindrucken und zeigten bereits auf der CeBit 2002 erstmals Prototypen von HiperLAN/2-Access-Points.
Stark im Kommen (und gerne vom jeweiligen Marketing zu Unrecht zur WLAN-Technologie stilisiert) ist die deutlich Bandbreiten- und Reichweiten-schwächere Bluetooth-Technologie. Die Bluetooth-Erfinder hatten aber weniger ein lokales Netzwerk, sondern schlicht einen drahtlosen Ersatz für Kabel im Sinn, der - anders als Infrarotverbindungen - auch ohne direkten Sichtkontakt zwischen den beteiligten Kommunikationspartnern funktioniert. Nach massiven Marketing-Anstrengungen und der Entwicklung neuer Chipsatz-Varianten gelingt es nun Bluetooth, immer stärker im Markt Fuß zu fassen, auch wenn die Frühchen noch immer mit erheblichen Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen haben.
Zurück zu: WLAN-Salamitaktik ...
Fortsetzung: Komplettpaket Wi-Media
von jensN
—
Zuletzt verändert:
31.03.2004 17:19
|