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Grundlagen: Drahtlose Netzwerke, Teil 2 - Anforderungen an das drahtlose Ethernet

Die ursprünglichen Anforderungen an ein drahtloses Ethernet lassen sich in sieben Punkten zusammenfassen:

  • Überbrückung von Entfernungen zwischen 3 und 300 Metern um den typischen Ausdehnungen von Arbeitsgruppen gerecht zu werden,
  • Datenraten wie das klassische Shared-Ethernet um 1 MBit/s,
  • Kompatibilität zu Ethernet IEEE802.3 für eine einfache Integration via Bridges in bestehende Netzwerkstrukturen,
  • Kompatibilität zu TCP/IP,
  • Nutzung eines möglichst weltweit lizenzfrei verfügbaren Frequenzbandes für eine rasche Marktpenetration mit großen Stückzahlen (und damit moderaten Preisen),
  • robuste Übertragungsverfahren sowie
  • ein in weiten Bereichen akzeptierter Industriestandard aus denselben Gründen.
Eine Integration von Sprach- oder anderen Echtzeitdiensten stand bei der WLAN-Entwicklung jedoch nicht im Vordergrund. Dieses Manko auszugleichen ist das Hauptanliegen Arbeitsgruppe IEEE802.11e sowie der im September 2002 gegründeten, amerikanischen Gruppe Wi-Media. Für die Integration von Telefonie in Form von Voice-over-IP (VoIP) über LAN (Ethernet) WLAN (VoWLAN) und WAN (Internet) hoffen die Marketingabteilungen in der Industrie noch immer auf die Weiterentwicklung des Ethernet in Richtung Quality-of-Service (QoS). Die Autoren bemühen in diesem Zusammenhang in voller Absicht das Wort "Hoffnung", denn das Ethernet ist physikalisch per Definitionem nicht echtzeitfähig - und dessen drahtlose Erweiterung WLAN ebenfalls nicht.

Was das Management von Echtzeitanwendungen betrifft, sind HiperLAN/2 und Bluetooth im Vergleich zu Ethernet respektive WLAN á la IEEE802.11 Technologien von einem anderen Stern (Europa) - aber ebenso weit von einer Marktrealisierung entfernt.

Zwar müht sich die Ethernet-Riege unter der Ägide von Cisco, Ethernet und Internet-Protokoll endlich um Echtzeitfähigkeiten zu erweitern - doch bezweifeln Technologie-Kenner aus der Unterhaltungselektronikindustrie die wie Peter Buchner vom Advanced Technology Center Stuttgart, das SONY betreibt, und Dr. Wilfried Geuen, Managing Director der Panasonic European Laboratories GmbH, die Erfolgsaussichten dieses Treibens. HiperLAN/2 wäre für die Unterhaltungselektronikindustrie die bessere Funktechnologie, aber in Ermangelung von HiperLAN/2-Chips greift man, wie Philips bei SmartDisplay, entweder zur gängigen WLAN-802.11b-Funktechnik (und überträgt KEIN Video und KEINE Sprache) oder setzt, wie Panasonic, auf Abwarten. Dr. Geuen: "Ein Fernseher ist im Gegensatz zu einem PC ein langlebiges Gut - der muss zehn Jahre laufen und wird nicht, wie der PC, alle zwei bis drei Jahre ausgewechselt."

Microsoft, Hauptprotagonist der Smart-Display-Technologie, zeigt sich dagegen wenig wählerisch, was die Übertragungstechnologie anbelangt. Megan Kidd, Product Manager der für die Smart-Display-Tehnologie zuständigen Embedded & Appliance Platform Group: "Microsoft is agnostic concerning the transmission technology". Zu Deutsch: "Was die Übertragungstechnologie zwischen Host-PC und SmartDisplay anbelangt, will sich Microsoft an keinen Glaubenskriegen beteiligen. HiperLAN/2 kannte sie indes nicht, wohl aber Scott Evans, SmartDisplay-Program-Manager bei Microsoft: "HiperLAN/2 wäre zwar die weitaus bessere Technologie, denn sie böte auch Kapazität für die Sprach- und Videoübertragung in beide Richtungen, aber für einen raschen Markteintritt fehlt die Unterstützung mit Produkten".


Microsofts SmartDisplay-Technologie



Das Smart-Display-Logo verspricht Kompatibilität zu Microsoft Windows XP (Quelle: Microsoft).

Smart Displays sind Flachbildschirme mit Stifteingabe und (Microsoft-) Handschrifterkennung, die via Funk mit einem Host-PC kommunizieren. Im SmartDisplay übernimmt ein Controller in Verbindung mit einer spezialisierten Version Windows CE den Bildaufbau. Als Übertragungsprotokoll kommt das mit Windows XP serienmäßig gelieferte Remote Desktop Protocol (RDP) zum Einsatz. Die Dateneingabe über den Touchscreen des LC-Displays. Die auf der CeBit 2003 gezeigten SmartDisplays von Firmen wie Philips, Viewsonic, Samsung, Hewlett Packard und NEC waren durchweg via IEEE802.11b funkvernetzt. Der 11b-Netto-Durchsatz von 5 bis 6 MBit reicht zwar zur gefälligen Darstellung des Windows-Desktops auf dem entfernten SmartDisplay, die Wiedergabe von Bildschirmfüllendem Video muss jedoch scheitern:

  • Das RDP kennt außer der Kompression von Bitmaps keine tiefergehende Datenkompression (wie etwa MPEG2 oder MPEG4),
  • Der SmartDisplay-Controller könnte MPEG2 respektive MPEG4 nicht dekodieren,
  • Das Erscheinungsbild beispielsweise eines MPEG2-komprimierten Excel-Spreadsheets wäre unbefriedigend
  • Der Betrieb zwei oder mehr Smart-Displays an einem Host-PC ist vollkommen unmöglich.
So bleibt Smart Display bis dato ein modischer Technologieansatz zur PC-Fernsteuerung und zum bequemen Surfen (mit briefmarkengroßer Videoausgabe), der jedoch seinerseits der Verbreitung von WLANs Vorschub leisten wird.



Mit dem SmartDisplay DesXcape 150 fördert Philips die "Flucht vom Desktop" - etwa aufs Sofa oder die Terrrasenliege. Das Display wird von einer Intel-Xscale-CPU angetrieben und via IEEE802.11b und Remote Desktop Protocol von einem Host-PC (mit Windows XP) mit Daten versorgt. Das Display ist abnehmbar, der Standfuß enthält lediglich die Ladeelektronik (Quelle; Philips).

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Fortsetzung: Das leisten IEEE802.11-WLANs
von jensNZuletzt verändert: 14.04.2004 13:43







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