Die Wissenschaft beschäftigt sich seit knapp einem Jahrzehnt mit der Frage der Gesundheitsschädlichkeit von Handys, Mikrowellen, Funkwellen sonstiger Art und seit kurzem natürlich auch mit der WLAN-Technologie. Dieses brisante Thema ist und wird auf Grund der Weiterverbreitung, sowie Entwicklung der auf elektromagnetische Strahlung beruhenden Technik immer relevanter.
von Christian Heise und Michael Renzmann - 08.04.2004
Leider wird dieses Thema, wie so manche Themen, hinter denen ein großer
wirtschaftlicher Gedanke steht, entweder bagatellisiert oder künstlich
aufgebauscht. So liest man in eher unregelmäßigen Abständen von angeblich
unschlagbaren Beweisen, die für eine Gesundheitsschädlichkeit sprechen,
aber auch von Studien (oft auch von Mobilfunkanbietern gesponsert), die
den „Elektrosmog“ ganz verneinen.
Hinzu kommt, dass selbst einschlägige
Untersuchungen von neutralen Institutionen oft an der Nachweisbarkeit
ihrer Experimente scheitern. So sorgten schon 1992 zwei Arbeiten des
amerikanischen Biologen Robert Liburdy über die Einflüsse von
elektromagnetischen
Feldern auf die Kalziumionen-Mobilität in Zellen für Aufregung.
Hier wurde der Verdacht geäußert, dass elektromagnetische Strahlung im
Zusammenhang mit den für die Zellteilung wichtigen
Calciumionen und dem Wachstum von Tumoren fördernd wirken könnte. Die
Forschungsergebnisse konnten nie endgültig mit Hilfe weiterer Tests
bestätigt
werden, und der Forscher zog seine Versuchsergebnisse 1999 nach dem
Vorwurf der Unterschlagung von Untersuchungsergebnissen zurück.
Ähnliches geschah mit den Ergebnissen einer Studie von Michael
Repacholi, der in einer Untersuchung Labormäuse 18 Monate lang 1 Stunde
einem 900 Mhz Feld, etwa der Frequenz von D-Netzen bei GSM-Handys,
aussetzte. Doch auch diese Ergebnisse, bei denen in der bestrahlten
Gruppe Geschwülste der Lymphknoten doppelt so häufig auftraten wie in
der nicht bestrahlten Gruppe, konnten bislang nicht reproduziert
werden.
Die Voraussetzung für eine solche Debatte ist also denkbar schlecht.
Die Strahlenbelastung ist je nach Gerätetyp, sowie Sendeleistung
unterschiedlich. Bei einem Test des Magazins „Ökotest“ kam es zu Werten
zwischen 0,1 Millionstel Watt pro Quadratmeter bis zu kritischen 23000 µW/m² auf den Wlan-Frequenzen. Außerdem wurde festgestellt, dass im
Freien die Strahlung von Wlan mit (wenigen Meter) Abstand zur Quelle
weitaus weniger betrug (7µW/m²), als die von Mobilfunkmasten (D-Netz:
1200 µW/m² e-Netz: 120 µW/m²) und DECT-Basisstationen (18µW/m²).
Auf der Seite des Nutzers sieht es hier jedoch oft anders aus: So
strahlt ein Handy im Sendebetrieb mit 45000 bis 150000µW/m², ein
DECT-Telefon mit ca. 60000 µW/m², und eine Wlan-Karte mit immerhin
17500
µW/m². Die durchschnittliche Strahlungsbelastung beträgt nach einer
amerikanischen Studie in dicht besiedelten Gebieten zwischen 50-10000
µW/m². Bei einer Studie des österreichischen Bundesministeriums für
Verkehr und Wirtschaft 1999 lag die Belastung durch UKW bei maximal 93
µW/m² und bei Mobilfunkmasten bei 856 µW/m². In Deutschland steht die
nächste Messung mit 1250 Messpunkten und einer Frequenzmessbreite im
nächsten Jahr durch die RegTP an.
Zu den gesicherten Erkenntnissen: Um das menschliche Gewebe ein Grad zu
„erhitzen“ (was als medizinisch unbedenklich gilt), benötigt es
mindestens 100 Millionen µw/m². Die Bundesimmissionsschutzverordnung
legt hier einen Grenzwert von 4,5 µW/m² bei einer Frequenz von 1800Mhz
(E-Netz) bis auf 10Mil µW/m² bei 900 MHZ (D-Netz) fest, was etwa einer
maximalen Feldstärke von 42V/m im E-Netz und 58 V/m im D-Netz
entspricht. Diese Grenzwerte beruhen auf den Vorschlägen einer Organisation (INCRP) der WHO.
Die Immissionswerte sagen aber nur etwas über die thermale Wirkung
von elektromagnetischer Strahlung aus, tatsächlich jedoch gibt es keine
gesicherten
Erkenntnisse über die Absorbierung dieser Strahlung durch den
menschlichen Organismus, nur Thesen. Da jedoch ein „Nulleffekt“ nicht
nachweisbar ist, wirkt diese Beobachtung erst mal ernüchternd. Denn im
Vergleich zur Gamma- oder Röntgenstrahlung sind die hoch frequentierten
elektromagnetischen Felder viel zu schwach, um Zellmolekülverbindungen
aufzubrechen, das Erbegut zu schädigen oder zu zerstören, da dafür
einige Elektrovolt von Nöten sind.
Handys erzeugen
zum Vergleich im D-Netz ca. 4µeV, im E-Netz ca. 7µeV, und sind damit sehr weit vom
vorher genannten Wert entfernt. Sicher ist, dass Felder zwischen 1 MHZ
und 10 GHZ in das exponierte Gewebe eindringen, wobei die
Eindringungstiefe ungefähr proportional zur Herzzahl sinkt. So
verringert sie sich beim auf 1800 MHZ funkenden E-Netz auf ca. 1 cm,
wobei beim auf 900 MHz funkenden D-Netz eine Eindringtiefe von ca. 2,5
cm festgestellt wurde. Somit bleibt die Frage nach anderen nicht thermische Effekten.
Eine Studie, die in Kooperation zwischen der Universität Nottingham und
der kanadischen Universität British Columbia entstand, zeigte, dass bestrahlte
Fadenwürmer „Hitzeschockproteine“ produzieren, die als molekularer
Schutz zur Rettung von Zellproteinen unter toxischem Einfluss agieren,
wobei die Körpertemperatur konstant bleibt. Zu erwähnen ist, dass
dieser Mechanismus dem menschlichen sehr ähnlich ist, und nichts mit
der kleinen Größe der Würmer zu tun hat.
Bei Fragen zur Absorbierung von Strahlung durch den menschlichen
Organismus könnten die seit Anfang der neunziger Jahre laufenden
Langzeitstudien nur ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Da aber Tumore
oft mehrere Jahre zur Entwicklung benötigen, beruhigt die Tatsache, dass
bisher kein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Handy,
Mikrowellen oder W-LAN Nutzung beobachtet wurde.
Von besonders großem Interesse könnten die Ergebnisse der
Langzeitstudien, wie z.B. das von der WHO ins Leben gerufene
EMF-Projekt, das mit mehr als 6000 Probanten in ganz Europa arbeitet,
sein.
Zusammenfassung:
Insgesamt ist der Informationsstand ungesichert. Vereinzelte Studien
lassen vermuten, dass eine „Gesundheit beeinflussende“ Wirkung durch
elektromagnetische Strahlung wahrscheinlich ist, doch lässt sich zum
Maß der Gesundheitschädlichkeit aufgrund der uneinheitlichen
Datenlage nichts Genaueres sagen. WLAN und dessen Strahlung im
hochfrequenten 2,4 GHZ Bereich sollte aber von dieser Debatte weniger
betroffen sein, da DECT- Telefone, Handys, vor allem aber
Mikrowellenherde eine weitaus höhere Feldstärke bei geringerer Frequenz
produzieren.
Hierbei spielt die Tatsache, dass im Gegensatz zur
Strahlung eines Handys die Eindringtiefe in den Körper bei WLAN
weitaus geringer ist, ein große Rolle. Die Untersuchungen kamen
durchweg zu dem Ergebnis, dass WLAN-Systeme die Grenzwertvorgaben
erheblich unterschreiten.
Wer also seinen Accesspoint oder seine WLAN-Karte nicht in
unmittelbarer Nähe zum Körper verwendet, kann davon ausgehen, dass die
Gefahr einer möglichen Gesundheitsschädigung sehr gering ist. Zur
weiteren Evaluierung sind jedoch mehr Studien und vor allem die
Ergebnisse der aktuellen Langzeitstudien von Nöten.
Quellen & Links:
Deutsches Mobilfunk Forschungsprogramm
http://www.emf-forschungsprogramm.de/
Informationen über den Lidbury Skandal
http://mypage.bluewin.ch/david_1950/Elektrosmog_Familie.html
Sehr interessantes unabhängigen Gutachten "zur Feststellung der Belastung
durch hoch frequente elektromagnetische Strahlung durch Funk-Netzwerke
an der Universität Bremen"
http://www.dmn.tzi.org/wlan/wlan-emvu-gutachten-bremen.pdf
Etwas älterer Artikel aus der c't der als Grundlage für diesen Artikel diente
http://www.heise.de/ct/00/14/218/
„Funklan in medizinischem Umfeld“ ( Auftraggeber: Lucent Technologies
Network Systems GmbH )
http://wlan.informatik.uni-rostock.de/...
Auszug aus dem Info-Flyer der Artem GmbH, Anbieter für drahtlose Kommunikationslösungen
http://www.artem.de/content/artem/...
Erwähnter Ökotest Artikel Ausgabe Oktober 2003
http://www.oekotest.de/...
Vorsorgemaßnahmen der Uni Hannover bei der Benutzung von W- LAN
http://www.rrzn.uni-hannover.de/netz_wlanumwelt.html
Bundesamt für Strahlenschutz äußert sich zum Thema EMF
http://www.bfs.de/elektro/hff/modern_kommunikation.html
Zulassungsunterlagen des FCC. Mit der FCC- Nummer gibt es hier
erweiterte Informationen zur Strahlungsleistung uvm. des Geräts
https://gullfoss2.fcc.gov/prod/oet/cf/eas/reports/GenericSearch.cfm
Grundsatzartikel des Bayerischen Landesamts für Arbeitsschutz,
Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik zum Thema Elektromagnetische
Felder an Arbeitsplätzen
http://www.lfas.bayern.de/technischer_as/medizinprodukte_strahlensch/...