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Was passiert mir, wenn Kinderpornohändler, Neonazis, ...

Es gibt eine Frage, die immer wieder auftaucht, wenn es um freie WLAN-Netze geht: "Was passiert mir, wenn jemand anderes etwas Illegales über meinen Anschluss macht?"

RA Olaf Koglin und Juergen Neumann - 22.04.2004

Die Antwort ist verblüffend einfach: Der andere macht sich strafbar. Das ist im WLAN genau wie im wirklichen Leben. Wenn ich davon in Kenntnis bin, mache ich mich natürlich der Mittäterschaft schuldig. Bin ich es nicht und kann man mir keine Schuld nachweisen, dann werde ich zwar die möglichen Ermittlungen über mich ergehen lassen müssen, bin aber selbstverständlich nicht schuld oder mit schuld.

1998 wurde im Rahmen des IuKDG (Informations- und Kommunikationsdienste-
Gesetz: Gesetzespaket des Bundes für Bundessachen, u. a. Teledienste, geregelt im Teledienstegesetz, kurz TDG), folgende Gesetzesregelung verabschiedet:

§ 6 TDG und § 7 MDStV heißen wortgleich: „Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich [sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlasst haben usw]."

Das Gleiche gilt für Inhalte, die durch die Nutzung Dritter noch auf meinem Proxy liegen, wenn der Nachbar Pornos saugt, zum Angriffskrieg anstiftet oder illegale MP3-Dateien herunterlädt, die dadurch noch auf meinem Proxy zwischengespeichert bleiben: Ich hafte nicht, obwohl ich so etwas eigentlich nicht über meinen (Proxy)-Server Anderen anbieten dürfte. Aber ich weiß schließlich nicht, was auf meinem Proxy liegt.

Bleibt die Frage, was dagegen getan werden kann, dass beispielsweise Neonazis oder Kinderpornohändler ein freies Netzwerk missbrauchen, um ihre Inhalte darüber auszutauschen. Kann sein, dass es in einzelnen Fällen dazu kommen wird. Aber wie sollte man denn sinnvoll gegen diese Verfehlungen vorgehen, ohne das Ganze freie Netz gleich wieder zu verbieten? 

Was machen wir mit den Neonazis in der U-Bahn? Keine U-Bahn mehr fahren zu lassen, wäre doch auch keine adäquate Antwort. Für solcherlei gesellschaftliche Probleme gibt es keine technische Lösung.

Eine weitere Angst besteht darin, dass Andere ungewollt auf die eigenen Daten zugreifen könnten. Diese Angst ist durchaus brechtigt.

Möchte ich mich und meine Daten schützen, muss ich mich mit den Themen Verschlüsselung, Firewall und Authentifizierung beschäftigen. Das gilt für WLAN genauso wie für das Internet. Die Frage ist nur: Will ich das Netz absichern oder nur meine eigenen privaten Ressourcen?

Ich kann doch jeden in das Internet lassen, aber nur mich und meine Freunde auf meinen Rechner. Die eigenen Ressourcen müssen gegenüber der Außenwelt abgeschirmt werden, wenn ich nicht will, dass jeder darauf zugreifen kann. Der Weg in das Internet kann aber ungeachtet davon jedem freistehen, denn es ist lediglich das Medium, über das die einzelnen Ressourcen miteinander verbunden sind - und nur so kann ein freies Netzwerk entstehen.

Wünschenswert wäre, dass WLAN-Geräte-Hersteller diese Funktionen in ihre Produkte implementieren. Denn noch ist es leider so, dass die meisten Produkte diese Möglichkeiten nicht bieten. Oft ist ein zusätzlicher Rechner (Firewall) notwendig, um die gewünschte Sicherheit zu erreichen.

von JuergeN NeumannZuletzt verändert: 24.04.2004 18:09







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