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Interview mit Benjamin Hagemann von wLAN-ks

Die Kasseler Initiative für Freie WLAN-Netze im Gespräch mit freifunk.net.

Interview mit Benjamin Hagemann - April 2004


Seit wann seid Ihr mit eurem Community-Netzwerk aktiv und wie seid ihr organisiert?
B.H.: „Wir haben uns im März 2003 als freie Gruppe zusammengefunden, ähnlich einer Linux User Group. Wir sind etwa 5-10 aktive Mitglieder - alles junge, technisch interessierte Leute: Informatik-Schüler und -Studenten.


Was war der Auslöser für die Entstehung Eurer Community?
B.H.: „Wir sind hauptsächlich aus Spaß an der Technik dazu gekommen. Bei uns kam eines zum Anderen: Junge technisch interessierte Leute aus dem Bereichen Linux User Group und Chaos Computer Club, die schon ein paar Berührungspunkte zu dieser Technik hatten. Dann fingen wir an, bei uns privat entsprechende AccessPoints und Antennen zu installieren und Menschen in der Umgebung zu finden, die das private Netzwerk zu einem Stadtnetz erweitern. Leider ist dies noch ein Problem.“


Wie ist euer Netzwerk im Access-Bereich und im Internet Connectivity-Bereich aufgebaut?
B.H.: „Es gibt noch kein zusammengeschlosses Netz. Jeder AP arbeitet für sich allein. Teilweise ohne direktes Internet teilweise ISDN oder DSL dahinter."


Welche Hardware und Software setzt ihr vor allem ein und was könnt ihr basierend auf den gemachten Erfahrungen anderen empfehlen?
B.H.: „Bisher haben wir auf die teure LANCOM Hardware gesetzt, was für viele Interessierte ein Grund war nicht mitmachen zu können. Wir werden uns aber in Zukunft mehr mit Linux auf den APs beschäftigen, z.B. LinkSys APs oder MeshCubes. Schön ist auch, dass es wLAN-USB Dongles mit externen Antennanschluß für <100E gibt, welche man einfach an einen älteren Pentium anschließen kann, der dann Mesh-AP wird.“


Wie hoch sind die einmaligen Investitionen in Hardware und Software gewesen und wie hoch sind die laufenden Kosten?
B.H.: „Das ist von Standort zu Standort verschieden. Ich schätze mal 100-600 Euro Hardware Investestitionen. Software 0,-. Laufende Kosten: Strom. Nicht zu vergessen die unbezahlbare Zeit :) “


Wie finanziert ihr euch bisher?
B.H.: „Jeder trägt seine eigenen Kosten.“


Ist die Nutzung eures Netzwerkes für jeden kostenlos oder nur für Mitglieder? Gibt es ein Preismodell?
B.H.: „Kostenlos für "Mitglieder", sprich nach Absprache. Es gibt kein Preismodell.


Wie steht Ihr zum Aufbau kommerzieller WLAN-Netze in Deutschland und wie definiert Ihr Eure Idee im Vergleich zu diesen Netzen?
B.H.: „Wir denken, dass man mit kommerziellen wLAN kein Geld machen kann und wollen unser eigenes Stadtnetz. Jeder stellt seine Ressourcen für jeden zur Verfügung. Er wird sicher auch mal die Ressourcen eines anderen nutzen und dieser wieder seine - warum eine aufwändige Abrechnung?“


Wie wollt ihr das Netzwerk in Zukunft ausbauen?
B.H.: „Mehr Leute mit wLANs mit Flugblättern ansprechen. Ende April/Anfang Mai einen Informationsabend veranstalten und den Usern Mesh erklären.“


Wo seht ihr Eurer eigenes Projekt in den kommenden 1 bis 2 Jahren? Was wollt ihr bis dahin erreicht haben?
B.H.: „Wir hoffen, dass wir bis dahin schon etliche APs miteinander verbunden, mehr Leute informiert und zu mesh motiviert haben. Weiter wollen wir das Freie Radio und vielleicht den Offenen Kanal Kassel ansprechen, da man so auch interessante Services via wLAN zur Verfügung stellen kann.“


Was würdet ihr bisher als Eueren größten Erfolg bezeichnen?
B.H.: "Die Veranstaltung: Linux und wLAN Demo Day 2003 mit Klaus Knopper. Das war ein gemeinsames Event von LUG-Kassel, CCC-Kassel und wLAN-ks. Presse: "Faible für Computerfunk"


Mit welchen Marketing- und PR-Aktionen macht ihr euch bekannt?
B.H.: „Unser Workshop auf unserer Veranstaltung war sehr gut besucht. Auf Flugblätter im Briefkasten hat bisher niemand reagiert. Wir planen in diesem Sommer gezielter Jugendliche in den Schulen zu informieren. Es wird einen Artikel in einer Schülerzeitung geben.“


Was haltet ihr von dem PicoPeeringAgreement? Ist das eine brauchbare Definition für das Funktionieren freier Netzwerke?
B.H.: „Ja, das ist durchaus eine Art Grundgesetz. Allerdings sind weitere Gesetze wichtig, z.B. für Technik und Haftung der Daten.“


Habt ihr eine eigene Datenbank, mit der man verfügbare Access Points (bzw. Hotspots) einfach finden kann?
B.H.: http://wlan-ks.de/knoten/index.html


„Was haltet ihr davon, euch einer zentralen Datenbank wie etwa freifunk.net anzuschliessen?“
B.H.: "Sinnvoll, aber man braucht auch die lokalen Informationen, da diese schneller für Einsteiger ersichtlich sind. Sinn würde für mich eine dezentrales Authentifizierungssystem machen. Damit könnte jeder Freifunker sich gegen jedes freie Funknetz authentifizieren.“


Seid ihr ansprechbar für Hilfesuchende, die ebenfalls ein WLAN aufbauen wollen und Unterstützung gebrauchen können?
B.H.: „Ja.“


Wer ist Ansprechpartner für neue Leute, die sich an euer Netzwerk anschliessen wollen?
B.H.: „me :) Benjamin Hagemann info_at_wlan-ks_dot_de"


Was denkt ihr über die Initiative freifunk.net?
B.H.: „Wir freuen uns, dass es freifunk.net gibt, da sie als erster Ansprechpartner helfen, wenn man sich konkret mit dem Aufbau von einem lokalen Stadtnetz beschäftigt. Sie haben ein Logo entwickelt, welches jeder frei zur Kennzeichnung seines freien wLAN nutzen kann. Dies hilft in anderen Städten freie Funknetze schneller zu finden. Technische Fragen werden von Aktivsten anderer Orte schnell beantwortet.

Die Kontakte zu Hardware- und Softwareentwicklern wie 4G Systems (Mesh-Cube und mobile-mesh) über freifunk sind auch sehr interessant, da wir uns so in den direkten Hard- und Software Entwicklungsprozess einbringen können. Freifunk bietet aber auch Kontakt zu Autoren wie Herrn Medosch, sowie zu weiteren europäischen Projekten z.B. in England (London) oder Dänemark. Die Technik ist immer dieselbe, aber die Menschen, die mit ihr arbeiten, sind von Ort zu Ort und Land zu Land sehr verschieden, sowie deren Motivationen, Ziele und Probleme. Meist bilden sich wLAN Ortsgruppen von technisch schon erfahrenen Usern, freifunk bietet nun die Kontakte zu Menschen aus vielen Bereichen, wie Kunst, freies Radio, etc und das auf europäischer Ebene.

Bei wireless LAN geht es letztendlich um Kommunikation. Durch den Austausch sieht man Dinge aus anderen Blickwinkeln und kann gemeinsam neue Lösungen entwickeln, wie das PicoPeeringAgreement. Nur durch Kommunikation zwischen den Usern werden sich freie wLAN communitys entwickeln und langfristig überleben können."


Welche Erwartungen habt ihr an freifunk.net?
B.H.: "Ich denke es wird bald Zeit mal eine bundesweite Kampagne aufzuziehen, z.B. Anzeigen im Stern oder Spiegel, kurze Rundfunkspots oder ein kurzer TV-Trailer. Dazu kann man HowTo's auf der Website und entsprechende Images für Mesh-Server bereitstellen. Dies setzt aber neben einem finanzkräftigen Partner auch erprobte Systeme und gute HowTo's vorraus. Die Zeit ist aber langsam da. Vielleicht kann man 4G Systems, die Community und vielleicht auch die Grünen oder zumindest die Jungen Grünen sowie den Chaos Computer Club und andere Organisationen (Free Software Foundation Europe, FfII, etc.) mit einbeziehen."


Wie könnte freifunk.net Eure lokalen Aktivitäten am besten unterstützen?
B.H.: „freifunk an sich ist nur die Plattform. Über euch bekommt man die Informationen, wer wo was macht. Wenn die Jungs vom BerlinBackBone keine Testberichte und HowTos für Linux auf dem LinkSys oder zu verschiedenen Mesh-Protokollen schreiben würden, könntet ihr da nicht viel machen. Ihr stellt nur die Kommunikation her, wenn ihr mehr machen wollt, verliert ihr euch. Dafür gibt es viele Möglichkeiten diese Kommunikation herzustellen, z.B. Kampagnen oder auch direkte Gespräche mit Politikern und größeren Organisationen sowie auch Firmen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Intel ein gewisses Interesse hat, neue Techniken im Vorfeld schon einmal größer zu testen, da könnte man vermitteln. Eine kleine Ortsgruppe kann zwar lokale Computerläden und freie Radiosender ansprechen, aber direkt an bundesweite Organisationen wie die Grünen oder große Firmen heranzutreten, dafür ist freifunk wichtig!“


Welche Visionen habt ihr für freie Netze in Deutschland?
B.H.: „Schön wäre es, wenn man irgendwann fast überall freien wLAN Zugang hätte. Ich denke, da wird WiMAX mit beitragen.“


Wie relevant ist für Euch die internationale (Weiter-)entwicklung freier Netze?
B.H.: „Es geht hier um Kommunikation. Zum einen wollen wir von Leuten lernen die schon etwas weiter sind, aber es wollen auch Leute von uns lernen, die noch nicht so weit sind, zum anderen, was bringt uns die schönste Kommunikationstechnik, wenn man mit fast niemanden darüber kommunizeren kann.“


von jensNZuletzt verändert: 10.04.2004 08:48







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