Hoch hinaus in den Himmel über Berlin
Was im Herbst 2002 mit den ersten Linkstrecken begann, hat beachtliche Dimensionen angenommen. Der Himmel über Berlin ist vernetzt. Über 250 Access Points sind Stand heute im OLSR-Netz miteinander verbunden und ermöglichen den kostenlosen Datentransfer zwischen Stadtteilen und Straßenzügen - vielerorts auch einen kostengünstigen Zugang zum Internet.
Die größten Hürden zur Teilnahme sind heute überwunden. Hürden, die vor allem technischer Natur waren. Seit dem ersten Release der freifunk.firmware von Sven-Ola im Spätsommer 2004 ist es möglich, preiswerte Accesspoints wie den WRT54G einfach für die peer-to-peer Vernetzung zu nutzen. Sven-Ola berichtet im lesenswerten Interview Die freifunk-firmware - Von der Idee zum Netzwerk von diesem wichtigen Meilenstein. Doch auch heute noch gibt es viele Herausforderungen beim Ausbau des Netzes. Gesucht werden höher gelegene Standorte wie Hausdächer, Masten oder Türme. Nur von diesen Punkten aus herrscht freie Sicht auf die Umgebung, was bei WLAN gleichbedeutend ist mit höherer Reichweite des Funksignals.
Um so erfreulicher, dass die Berliner freifunker in letzter Zeit dem Himmel ein Stück näher gekommen sind. Drei Kirchengemeinden aus den Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain haben sich entschlossen, das Projekt zu unterstützen und ihre Kirchtürme für die Installation von Accesspoints zur Verfügung zu stellen. Den Auftakt machte die Samariter Kirche in Friedrichshain. Nach ersten Gesprächen 2005 unterzeichneten der Gemeinderat und der Förderverein Freie Netzwerke e.V. den ersten Nutzungsvertrag dieser Art. Bald darauf folgten die Kreuzberger Emmaus Kirche und die ebenfalls in Friedrichshain gelegene Zwingli Kirche (danke Lui, Frauke und Dagmar!).
Die Gegend rund um den Lausitzer Platz wird bereits seit Ende 2005 in jede Himmelsrichtung von insgesamt 8 Accesspoints im Turm der Emmaus Kirche mit Netzzugang versorgt. Möglich wurde hier die schnelle und fachgerechte Installation durch einen Sponsor jenseits der üblichen Fördertöpfe. Die in Kreuzberg ansässige centerra GmbH spendete 1000 Euro und übernahm damit einen großen Teil der Hardwarekosten. Matthias Kreplien, Geschäftsführer des Immobilienmanagement Unternehmens, schätzt am freifunk Konzept das lokale Engagement und kann sich vorstellen auch Gebäude, die von centerra verwaltet werden, für die Installation von Accesspoints zur Verfügung zu stellen.
Wie sehr die freifunk Idee mittlerweile gereift ist, beweisen nicht nur Projekte, wie die Berliner Kirchturm Vernetzung und die wachsende Anzahl von freifunk Communities im gesamten deutschsprachigen Raum, sondern auch der Ende 2005 in der Computerzeitschrift c’t erschienene vierseitige Artikel (Download ca. 2 MB) zum Berliner OLSR-Experiment. Mehr und mehr Menschen ohne tief greifendes technisches Wissen trauen sich an das Thema heran und betreiben eigene Accesspoints. Sie tragen damit zum Grundgedanken des pico-peerings bei, ein Netzwerk nicht nur zu nutzen, sondern selbst eigene Ressourcen zur Verfügung zu stellen und diese mit anderen zu teilen. „Geben ist eben seliger als Nehmen ...“ ;-)